Blog

Kriegsreporter: Mit der Kamera zwischen den Fronten

0

Hunderte Fotografen setzen derzeit an einer Frontlinie ihr Leben aufs Spiel. Einer davon ist der Berner Simon Krieger (Jg. 1989). Er riskiert sein Leben, um zu zeigen, was die israelische Besatzung für die Menschen in Palästina bedeutet.

In einer Welt, die immer komplexer wird, ist Journalismus, der in die Tiefe geht, für Simon Krieger unabdingbar. Die grossen Schlagzeilen und der Unterhaltungswert verdrängen Inhalte und Hintergründe. Eigene Erlebnisse zeigten ihm, wie stark gefiltert uns die Berichterstattung aus gewissen Konfliktregionen erreicht. Darum ging er selber an die Front, um zu verstehen, was dort passiert. Das Militär und die Polizei hätten professionelle PR-Angestellte, welche die Sicht der Dinge beeinflussten, darum arbeite er grundsätzlich nie mit offiziellen Kräften zusammen. Ihnen gehe es vor allem um Informationsverschleierung und Desinformation.  «Als eingebetteter Journalist wird man Teil dieser PR-Strategie», sagt Simon Krieger. Für ihn ist aber die unabhängige Arbeit unverzichtbar, so wohnt er jeweils bei den jeweiligen Menschen, über die er berichtet.

Vor einer Reise versucht er die Sicherheitslage abzuwägen

Am meisten Wert legt er auf die Risikoeinschätzung seiner lokalen Partner. Diese vermitteln ihm auch die Kosten für Lebensmittel, lokales Reisen und Kontakte zu Einheimischen. Kurz vor der Reise schaut er sich die Wetterdaten an. Spezielle Versicherungen für solche Reisen schliesst er aber nicht ab. Die Kamera ist separat versichert und  Unfälle und Verletzungen sind in seiner Versicherung enthalten. «In Palästina besteht zudem für Europäer kaum Gefahr von Geiselnahmen», sagt Krieger. Ihm ist nur ein einziger Fall in Gaza bekannt, wobei sich dort alle militanten Gruppen, selbst die Jihadisten, von der Geiselnahme distanzierten.

Gefährliche Situationen in Palästina gibt es hauptsächlich an Demonstrationen. Bei seinem ersten Einsatz war er noch ziemlich unerfahren und zuvorderst an der Demonstration dabei, als diese auf eine Strasse zuging, die von der israelischen Armee abgeriegelt war. Nach längeren gewaltsamen Auseinandersetzungen ging ein Mann einige Meter vor ihm blutüberströmt zu Boden. Eine Tränengas-Granate hatte ihn am Hals getroffen. In diesem Moment hatte Krieger Angst. Nachdem die Sanitäter den Mann mitgenommen hatten, zog er sich zurück. Am nächsten Tag kaufte er sich in Ramallah eine kugelsichere Weste und einen Helm.

Solange die Friedensbewegung von den Medien ausgeblendet wird, ein einzelner Anschlag aber weltweite Aufmerksamkeit erhält, solange will Krieger weitermachen.

Autor: Johannes Ruchti
Webseite von Simon Krieger

Über Simon Krieger:

Simon Krieger ist Fotograf, Programmierer und Diplomand am Institut HyperWerk für Postindustrielles Design. In der Kombination dieser Bereiche erforscht er neue Wege des Journalismus.

Über Johannes Ruchti:

Johannes Ruchti ist Student an der EB Zürich und besucht den Bildungsgang „Journalismus“. Diesen Artikel schrieb er als Redaktionsleiter des Extrablattes „Reisen nach Plan B“.